26.11.2008
Stabile Stromversorgung - Hohe Flexibilität bei den Umschaltungen
Jetzt fließt der Strom direkt von den Hochspannungsleitungen zum neuen Umspannwerk der TWL in Oggersheim. Über einen neuen 110-kV-Schaltpunkt wird die elektrische Energie über 1500 Meter Länge in Kabeln durch die Felder zum Standort der zwei neuen Transformatoren an der Oderstraße geleitet. Damit ist nach der Inbetriebnahme der 20-kV-Schaltanlage vor einigen Monaten auch der letzte Schritt zur vollen Inbetriebnahme der neuen Umspannanlage der TWL vollzogen.
„Wir können den Strom jetzt mit höherer Zuverlässigkeit und mit geringerem Aufwand bei der Störungserkennung und -beseitigung an die Kunden ins Haus oder in die Geschäfte und Betriebe liefern", schildert Dr. Gerhard Weissmüller, Technischer Vorstand der TWL, einen großen Vorteil der neuen Stromverteilungsanlage in Ludwigshafen. Das komplexe Umspannwerk bietet höchste Flexibilität bei den Umschaltungen und versorgt Oggersheim, Ruchheim, West sowie das Gewerbegebiet „Westlich B9" mit den Großkunden Metro, Globus, Media-Markt, Rheinpfalz-Druckzentrum und Hornbach mit elektrischer Energie.
Die Notwendigkeit zum Ausbau der Umspann- und Netzanlage hatte sich vor allem durch die Ausdehnung der Gewerbegebiete ergeben. Die Netzlast im dortigen Stromnetz war in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass das Netz kurz vor dem Erreichen der Kapazitätsgrenze betrieben wurde. Dazu kam, dass das Umspannwerk Oppau von allen drei Umspannwerken in Ludwigshafen das flächenmäßig größte Gebiet versorgt, was teilweise lange Übertragungswege zur Folge hatte.
„Wir haben errechnet, dass der Bau eines neuen Umspannwerks in der Nähe der Gewerbegebiete und der Pfalzwerke-Hochspannungsleitung die wirtschaftlichste Lösung ist", erläutert Dr. Ingolf Quint, Geschäftsführer der Kommunalen Netzgesellschaft Südwest (KNS), als Pächter der Anlage die Entscheidung für den Neubau. Deshalb seien andere Varianten, wie etwa die Erneuerung des Umspannwerks Oppau, verworfen worden.
Rund acht Millionen Euro hat die TWL in die neue Umspannanlage investiert. Durch intensive Kontakte mit den Partnern Areva, Siemens und ABB hat die TWL trotz internationaler Lieferengpässe und Preisanstiege das Projekt im gewünschten Zeitrahmen durchgeführt und auch das Budget eingehalten. „Auch dank vieler Eigenleistungen und aufgrund des großen Einsatzes unserer Mitarbeiter wurde die relativ rasche Realisierung zugunsten unserer Kunden in Ludwigshafen möglich", erläutert Wilhelm Zeiser, Kaufmännischer Vorstand der TWL.
Technische Informationen zum Umspannwerk:
Die zwei leistungsstarken Umspanner in Oggersheim transformieren die Spannung von Hoch- auf Mittelspannung (110.000 auf 20.000 Volt). Ihre Übertragungsleistung von je 52 Megavoltampere (MVA) steht dann den zwei Mittelspannungs-Teilnetzen zur Verfügung, die zu den Kunden führen. Die gesamte 20-kV-Technik verteilt sich auf zwei Betongebäude: Im Schaltanlagengebäude sind sowohl die 28 Schaltfelder untergebracht als auch die sekundärtechnischen Einrichtungen wie Fernwirktechnik, Regeltechnik für Umspanner und Kompensationsspulen, Rundsteuertechnik, Störerfassung und Verteiler für Eigenbedarfsversorgung. Im gegenüberliegenden E-Spulengebäude befinden sich die Kompensationsspulen und die kurzzeitig niederohmige Sternpunkterdung.
Die beiden Transformatoren des Herstellers AREVA wurden in innovativer, Kosten sparender Hermetikausführung gebaut. Dies bedeutet, dass sich bei der Ausdehnung des Öls durch Wärme die speziell gestalteten Kühlrippen des Umspanners dehnen und nicht wie herkömmlich die Ausdehnung in einem gesonderten Gefäß erfolgt. Diese bei kleineren Transformatoren schon übliche Variante setzt seit neuestem AREVA als einziger Hersteller bei größeren Transformatoren ein.
Die Realisierung des 110-kV-Schaltpunkts ist ebenfalls eine Herausforderung gewesen. Die Schaltanlage wurde auf kleinstem Raum zwischen den Hochspannungsleitungen untergebracht und auf einem Grundrahmen montiert, das mit nur wenigen Fertigteilfundamenten auskommt.